Entdeckungen

Seranne – nicht nur Orchideen entdecken

Affodill

Weißer Affodill (Asphodelius albus), eine für die Garrigue typische Pflanze, die von März bis Mai in dichten Beständen auf freienWiesen blüht. Ihr häufiges Vorkommen kennzeichnet die Landschaft so sehr, dass die Heimatforscherin Adrienne Durand-Tullou aus Rogue eines ihrer Bücher über die Gegend „Das Land der Asphodelen“ betitelte.

Die griechische Mythologie kennt einen Asphodeliengrund, den mittleren Bereich der dreigeteilten Unterwelt, wo die Asphodelen als mythische Blumen wachsen. Ihre Wurzeln gelten als Speise der Toten, die hier als Schatten eine Zeitlang wandeln, bevor sie allmählich verblassen.

„Die Schatten wandeln nicht nur in den Hainen,
davor die Asphodelenwiese liegt,
sie wandeln unter uns und schon in deinen
Umarmungen, wenn noch der Traum dich wiegt.“ (…)

Gottfried Benn, Tristesse (1954)

„Im Kar zwischen Steingetrümmer und wilden Kräutern blühen die Asphodelen, als sei ein Rausch über die Höhe gekommen, eine leicht violett getönte, oft bis zur Hüfte reichende Art, die unten schon in voller Entfaltung stand, während sie oben erst mit bräunlicher Spitze aufbrach. Die Totenblumen der Alten verwandelten die bizarre, phantastische Höhenwelt in Gefilde der Abgeschiedenen von ergreifender Hochgestimmtheit, als werde, wer hinübergeht, von Genien geleitet. Der fauchende Wind droben im Kamm orgelte seine Schicksalsmelodie dazu.“

Aus der Beschreibung einer Wanderung mit der Einsiedlerin Anastasia bei Saint Guilhem le Désert in: Helmut Domke, Frankreichs Süden – Im Bannkreis der Pyrenäen. Wege nach Santiago. S.269, Prestel München 1982

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Was blüht denn da?

Bilder und Infos zusammengestellt von J. Goldsche (Mai 2010)

  • Pyramidenorchis (Anacamptis pyramidalis) ist eine Nektartäuschblume. Mit ihrem langen Sporn und einem Nektarduft lockt sie z.B. Schmetterlinge an, die bei dem Versuch, an den Nektar zu kommen, die Pollen aufnehmen und weitertragen.
  • Die Bocks-Riemenzunge (Himantoglossum hircinum) wächst gerne in aufgelassenen Weinbergen, liebt es heiß und trocken. Sie riecht für unsere Begriffe nicht angenehm.
  • Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera) täuscht den Bienenmännchen ein Weibchen vor und verleitet sie so zu einem Begattungsversuch. Dabei werden die Pollen aufgenommen und beim nächsten Versuch auf eine andere Blüte übertragen. Die Bienenragwurz kommt allerdings auch ohne Fremdbestäubung aus.
  • Echter Zungenstendel (Serapias lingua) blühte in der letzten Maiwoche auf einer Magerwiese, die vermutlich früher auch Weinberg gewesen ist. Ihre Blüte dient oft Insekten als Übernachtungsplatz und wird vermutlich so befruchtet.
  • Italienische Knabenkraut (Orchis italica), die Blüte hat Ähnlichkeit mit einem Mensch mit Kopf, Armen und Beinen und ist purpurn gefleckt. Sie wächst in Kiefernwäldern, Gebüschen und auf Grasfluren.

Thymian, ein aromatischer Zwergstrauch, gehört zu den Lippenblütlern. Mit seiner Blütenröhre ist er eine beliebte Nektarpflanze für Insekten. Hier saugt das Lavendel-Widderchen an der Blüte.
Die rundblättrige Osterluzei wächst in der Mittelmeerregion an schattigen Standorten wie z.B. Waldrändern. Sie ist Futterpflanze für die Raupen des Westlichen Osterluzeifalters.
Der Erdbeerbaum (Arbutus unedo) ist eine der immergrünen Straucharten des Maquis. Er gehört zur Familie der Heidekrautgewächse und trägt rote, erdbeerähnliche Früchte. Er dient der Raupe der Erdbeerbaum-Falters als Futterpflanze.
Die Wilde Gladiole findet man an Wegrändern und Grasfluren. Sie wächst aus einer Knolle und besitzt schwertförmige Blätter.
Die Schopfige Traubenhyazinthe (Muscari comosum) besiedelt vorwiegend aufgelassene Weinberge, Kalkmagerrasen und Wegränder. Sie trägt einem Schopf aus sterilen Blüten über den Blüten, die später Samen erzeugen.
Die Binsenlilie (Aphylanthes monspelliensis) wächst in Horsten an Wegrändern. Die Blüten mit sechs Kronblättern haben eine intensive blaue Farbe. Ohne Blüten könnte man die Stängel mit ihren schmalen Blättern für Binsen halten.
Der Schopfige Milchstern (Ornithogalum comosum) gehört auch zu den Liliengewächsen. Er wurde aus dem Mittelmeergebiet auch im übrigen Europa eingebürgert.
Die Wilde Tulpe wächst auf felsigen Hügeln, in Gebüschen und Weinbergen. Sie ist ziemlich selten und wie viele hier beschriebene Arten geschützt.
Gedrehtes Federgras (Stipa capensis) wächst an steinigen oder felsigen Standorten. Seine Blätter sind meist längs eingerollt, die Samen verbreiten sich im Wind durch lange federähnliche Grannen.

Was flattert da?

Bilder und Infos zusammengestellt von J. Goldsche (Mai 2010)

1. Der Gelbe Aurorafalter (Anthocharis euphenoides) war relativ häufig auf mageren Wiesen unterwegs. Wir konnten eine Paarung beobachten, Eier und Raupen fanden wir an Brillenschötchen, eine Pflanze, die vorwiegend an schotterigen Hängen wächst. Er gehört zu der Familie der Weißlinge und ersetzt im Süden den bei uns heimischen Aurorafalter.

2. Der Segelfalter (Iphiclides podalirius) ist ein Vertreter der Ritterfalter (wie der Osterluzeifalter). Die Form seiner Flügel erlaubt ihm, besonders geschickt zu segeln. Er lebt an sehr trockenen Hängen, seine Raupen fressen an verschiedenen Rosenartigen (Rosaceen), z.B. an Schlehen.

3. Als Vertreter der Familie der Bläulinge soll hier der Brombeer-Zipfelfalter (Callophris rubi) stehen. Er fliegt auch bei uns und überwintert als Puppe. Damit ist er eine der relativ früh fliegenden Arten. Wie alle Bläulinge ist er sehr klein, hat geringelte Beine und Fühler; er ist mit der leicht schillernden Grünfärbung in der Vegetation hervorragend getarnt.

4. Der Blauschillernde Eisvogel (Limenitis reducta) ist bei uns sehr selten, im beschriebenen Gebiet kommt er häufiger vor. Er legt seine Eier an Heckenkirsche und Geißblatt und bevorzugt schattige Gebüsche, obwohl er Wärme liebend ist.

5. Der Flockenblumen-Scheckenfalter (Melithaea phoebe) ist eine wärmeliebende Art, die bei uns nur in bevorzugten Gebieten (z.B. Altmühltal) vorkommt. Scheckenfalter gehören zur Familie der Edelfalter, die Raupen dieser Art leben an Flockenblumen und Wegerich. Wie viele der gefundenen Arten liebt er brach liegende oder extensiv bewirtschaftete Flächen, die es in Südfrankreich noch häufiger gibt als bei uns.

6. Das Spanische Ochsenauge (Pyronia bathseba) war gegen Ende Mai in der Nähe des Flüsschens Buèges zu sehen. Es gehört zu den Augenfaltern und kommt nur im westlichen Mittelmeergebiet vor. Seine Raupen leben an verschiedenen Grasarten.

7. Eine weitere Familie, die Dickkopffalter, ist im Buègestal durch den Kleinen Südlichen Würfeldickkopf (Pyrgus malvoides) vertreten. Seine Raupen leben an Fingerkraut und Erdbeere; er ist besonders gut getarnt durch seine Musterung und fliegt meist huschend davon.

8. Der Spanischer Osterluzeifalter (Zerynthia rumina) legt die Eier an der Osterluzei-Pflanze ab, an der auch die Raupen fressen. Er ist durch seine Musterung gut getarnt. Er kommt nur im Südwesten Europas vor.